
Die Geschichte hätte auch anders verlaufen können. Man hätte sie so schnell vergessen können wie all die Strohfeuer der schnelllebigen britischen Rock- und Popindustrie, man hätte sie weiterhin „Arctic Monkeys“ oder auch „The Arctic Monkeys“ nennen können (der Artikel als Erkennungszeichen der Revival-Gruppen Anfang des 21. Jh.). Und man hätte denken können, ihre größten Erfolge hätten 2008 nach den ersten beiden bahnbrechenden Alben bereits hinter ihnen gelegen, und von da an würde es nur noch bergab gehen. Aber die vierköpfige Band aus Sheffield hat die Zeiten überdauert und ist inzwischen endgültig der Welt des zeitgenössischen Rock angekommen, vielleicht sogar zu sehr…
Nach nur fünf Jahren im Plattengeschäft gehören die Arctic Monkeys mit einer Selbstverständlichkeit zum Rock wie Claude Berri zur Verleihung des „César“. Ziemlich paradox für eine Band, der alles gelingen zu scheint und die daher vielleicht zu schnell erwachsen wurde. Das Bild der vier etwas naiven Jungen aus Yorkshire, die den düsteren Alltag Nordenglands in spannungsgeladenen Rock packen, hat sich gewandelt. Ihr Sound ist jetzt eher gelassen als heftig, eher bitter als zornig, und er passt eher zum Fred-Perry-Polohemd als zum Fußballtrikot von Éric Cantona. Die Monkeys übten von Anfang an eine Zurückhaltung, die vorm Scheitern bewahrt, während die Geschichte anderer Bands, wie z.B. die der Libertines, immer mehr einer schlechten Soap-Opera ähnelte.
Und dann ist da noch der Frontmann Alex Turner, der mit seinen Schultern eher ein Schicksal der Rockgeschichte zu stemmen scheint, als dass seine Arme dazu taugten, sich durch Schlägereien zu beweisen. Als wortgewandter Spaßvogel jongliert und experimentiert er gekonnt mit der Sprache – in den letzten Jahren hat er dieses Talent immer wieder unter Beweis gestellt, sowohl mit den Arctic Monkeys als auch im Duo mit Miles Kane („Last Shadow Puppets“), oder auch solo für den Soundtrack von „Submarine“.
Die Arctic Monkeys sind ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Musikkarriere. Nach ihren beiden ersten Alben („Whatever people say I am, that's what I'm not“ und „Favourite worst nightmare“) sind sie reifer geworden. 2008, in einem Elan der Neuerung, tun sie sich mit dem Frontmann von „Queens of the Stone Age“, Josh Homme, zusammen und arbeiten mit ihm auf seiner Ranch in Kaliforniern am dritten Album („Humbug“). Josh Homme, das kann kein Zufall sein: Bandmitglied von „QofSA“ und „Eagles Of Death Metal“, Initiator des Musikprojekts „Desert Session“, zusammen mit keinen geringeren als John Paul Jones (Led Zeppelin) und Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters) bei „Them Crooked Vultures“ aktiv - der hühnenhafte Josh Homme ist die Verkörperung des Rock ‘n Roll schlechthin. Für die jungen Briten bedeutet eine Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Musiker, dass sie bei den ganz Großen der Musikszene mitspielen dürfen, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Aus den Jungstars des Britpop wird somit eine echte Rockband, nicht etwa eine, die nur in Pubs auftritt, sondern eine, die international anerkannten ROCK macht.
Auf „Humbug“ entwickelt die Band einen Stil, der auch das neueste Album („Suck it and see“, erschienen im Juni 2011) prägen sollte. Die Songs sind getragener, weniger energiegeladen, vielleicht auch etwas ausgefeilter. Ein langsamerer Rhythmus der Strophen, dazwischen Refrains und Gimmicks („ooh ooh yeah“) und hervorgehobene Solos mit tiefer Stimme sind die Zutaten dieses Albums. Auch die Texte haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt: mehr Abstraktion als alltägliche Beobachtungen, aber immer getragen von der Melancholie gescheiterter Liebe und misslungener Feste, nirgends Politik, scharf beobachtet und auf den Punkt gebracht.
Rückblickend kann man also sagen, dass die Jungs aus Sheffield in den letzten fünf Jahren eine exzellente Karriere hingelegt haben. Dahinter steckt vorbildliches Benehmen und fleißige Arbeit. Vielleicht sogar zu fleißig, denn die Geduld der Fans wurde in der langen Zeit zwischen den Alben hart auf die Probe gestellt. Wie Musterschüler sind sie diesen Karriereweg gegangen und waren gleichzeitig Idol der ganzen Generation MySpace – ohne viel Aufsehen darum zu machen. Insofern sind sie heute würdige Nachfolger von Oasis, sowohl im Hinblick auf den Sound als auch was ihre Live-Performance betrifft, nur die Eskapaden haben sie sich gespart.
Was den Arctic Monkeys auf diesem makellosen Zwischenzeugnis fehlt, was die Rock-Karriere aber noch unverwechselbarer machen würde: Sprünge und Rückschläge, die einen umso erfolgreicheren Neustart ermöglichen. Wir vermissen die Pickel, die sie als Newcomer markierten. Oder auch einfach einen herausragenden Hit, wie es ihn seit dem zweiten Album nicht mehr gab.
Doch der Perfektionismus hat auch seine guten Seiten: Die professionelle Art der Band schlägt sich vor allem auf der Bühne positiv nieder, nämlich in mehr Reife dem Publikum gegenüber. Ihre Konzerte stehen für physische Präsenz, präzisen Sound und die ganz offensichtliche Freude an der Musik. Beim letzten Auftritt bei „Rock en Seine“ zogen sie dadurch auch den zögerlichsten Zuhörer in ihren Bann. Dasselbe könnte auch am 3. Februar im „Olympia“ passieren, wo die Arctic Monkeys - mit zwei „c“ und ohne „The“ - zeigen, dass sie trotz des zwischenzeitlich leicht abgeflauten Interesses an ihnen, 2008 keineswegs von der Bildfläche verschwunden sind.
I'm not religious, but this music is one of the most profound experiences that I have ever had. Bach transcends creed, ideology etc.
I'm not religious, but this performance means so much to me. I feel the deepest emotions on hearing this music.
sorry, aber das geht GAR NICHT, was die da auf der Bühne fûr ne show abziehen ... und was die musik betrifft ist der putput auch echt mal kläglich ...
auf den spuren unserer singenden Mutter
Find die Kritik am Turbofolk ja ziemlich billig.
Es ist ja nicht so das Goran Bregovic und Kusturica nicht Kitsch verkaufen und das vor allem die Texte von Goran extrem kompliziert sind.
Der Turbofolk ist auch kein Produkt der 90er sondern wurde von Bregovic fast erfunden, er war der erste der Volksmusik mit Elementen westlicher Welt vermischte.
Ceca war auch vor ihrer Heirat mit Arkan populär und ein Jungstar gemeinsam mit Dragana Mirkovic.
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