Erinnerung jenseits der Bilder

Am 09.09.2011 um 19.00 Uhr, Thomas Weiss
Erinnerung jenseits der Bilder

Zehn Jahre nach dem 11. September 2001 sind die damit verbundenen Bilder noch immer fest im kollektiven Bewusstsein verankert. Was die Medien damals in Endlosschleife in alle Welt sendeten, bleibt omnipräsent. Für viele mag die Erinnerung an 9/11 zunächst eine visuelle sein. Am lautesten jedoch klingen die Bilder in der Ferne nach, leiser bricht die Trauer in den persönlichen Geschichten der Betroffenen und in deren kreativer Aufarbeitung hervor. In der Musik sucht sie sich jenseits aller medialer Wucht eigene Wege.

Am 11. September 2011 gedenkt das Pittsburgh Symphony Orchestra, eines der größten Orchester der USA, in der Berliner Philharmonie den Opfern. Manfred Honeck, der österreichische Dirigent des PSO, erklärt:

„Für die Menschen in Pittsburgh und West-Pennsylvania haben die Terroranschläge einen ganz besonderen Stellenwert: Eines der vier Flugzeuge stürzte nach Eingreifen der Passagiere an Bord in einem Feld in der Nähe von Pittsburgh ab. Diese mutigen Menschen gaben ihr Leben, um das Leben anderer zu schützen. Ihnen und allen Opfern des 11. September widmet das Pittsburgh Symphony Orchestra dieses weltweite Streaming von Mahlers Symphonie Nr. 5 aus der Berliner Philharmonie.“



In New York, so erzählt man sich, habe jeder einen gekannt, der wiederum einen der Toten persönlich gekannt habe. 9/11 traf eine ganze Nation. Damals wie heute war Bob Moir der künstlerische Leiter des PSO. Er erinnert sich an ein Konzert, das damals stattfand, vor etwas mehr als zehn Jahren:

"Als am 11. September die Anschläge verübt wurden, befand sich der damalige Dirigent des PSO Mariss Jansons mit seiner Frau im Flugzeug auf dem Weg nach Pittsburg, wo er am nächsten Tag mit den Proben zur Eröffnung der neuen Spielzeit 2001/2002 beginnen wollte. Aufgrund der sofortigen Sperrung des amerikanischen Luftraums wurde das Flugzeug zur Landung gezwungen, noch bevor [es] sein Ziel erreicht hatte. Jansons Flugzeug landete in Halifax.
Jansons und seine Frau harrten zusammen mit 800 weiteren Passagieren drei Nächte auf einer Militärbasis aus, auf der es nur drei Telefone gab. Er musste zwei Stunden für ein Telefongespräch nach Pittsburgh anstehen und konnte 20 Minuten mit uns sprechen. Nachdem das Gespräch beendet war, stellte er sich gleich wieder am Ende der Warteschlange an, und das Ganze ging von vorne los. Jedes Mal, wenn er mit uns sprach, hatte er andere Angaben über seinen Abflug. Nachdem einige Tage vergangen waren, berieten wir gemeinsam über eine Programmänderung. Am Donnerstag wurde der Solist Evgeny Kissin nach Pittsburg gefahren.
Freitagnachmittag konnte Jansons endlich starten und landete abends um sieben in Pittsburgh, fuhr zur Heinz Hall, wo das Orchester und Kissin bereits auf der Bühne warteten, und begann unverzüglich mit den Proben von Brahms 2. Klavierkonzert. Der Einlass wurde verzögert und mit 40 Minuten Verspätung konnte das Konzert beginnen.
Jansons dirigierte die erste Hälfte von Coplands "Fanfare for the Common Man", den Trauermarsch aus Beethovens Eroica-Sinfonie sowie den letzten Satz aus Tschaikowskis SechSinfonie, der Pathéthique – alles, ohne vorher geprobt zu haben.
Im ganzen Haus blieb kein Auge trocken."

Eine "Demonstration des Sieges über den Tod" hat der französische Mahler-Biograf Henry-Louis de La Grange dessen Fünfte Sinfonie genannt, die das Pittsburgh Symphony Orchestra für sein Konzert am 11. September 2011 ausgewählt hat.

Den Opfern auf diese Weise zu gedenken, mag bereits ein Sieg sein: ein Sieg der Erinnerung jenseits der Bilder von Zerstörung und Tod.

 

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I'm not religious, but this music is one of the most profound experiences that I have ever had. Bach transcends creed, ideology etc.

I'm not religious, but this performance means so much to me. I feel the deepest emotions on hearing this music.

sorry, aber das geht GAR NICHT, was die da auf der Bühne fûr ne show abziehen ... und was die musik betrifft ist der putput auch echt mal kläglich ...

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