
Leipziger Allerlei: Julia Schulz von PonyDanceClyde im Gespräch mit Michael Schiedt und Markus Krasselt von Here Is Why nach ihrem Auftritt bei Introducing im Bi Nuu, Berlin
PDC: Euer Auftritt bei Introducing klang ein bisschen so, als würde der Sound von Human League, Depeche Mode oder New Order mit einem Knall ins 21. Jahrhundert transportiert werden. Was hat euch zu eurem Sound inspiriert?
Michael: Die 80iger Jahre spielten bei der Entstehung unseres Albums HRSY für uns auf jeden Fall eine wichtige eine Rolle. Nicht zwangsläufig diese Referenzen, aber da steckt eine ordentliche Portion dieser Zeit drin. Das hat weniger mit einer speziellen Band zu tun, es geht bei uns eher um den Zeitgeist der Epoche. Wir sind gerade aber auch dabei, unseren Sound weiterzuentwickeln.
PDC: Neben dem aktuellen Album HRSY habt ihr auch noch ein Remixalbum unter dem Titel HRSY Perspectives . Es transportiert eure Popmusik eindeutig in den Club. Wie ist es dazu gekommen?
Markus: Das kam durch mehrere Freunde zu Stande. Kontakte, alte Bekannte... Wir haben ja noch ein paar andere Projekte, die im Clubbereich stattfinden. Da hat man einfach einmal nach Remixen gefragt, oder die Leute kamen auf uns zu. Da dachten wir uns kurzerhand, machen wir doch ein ganzes Album draus.
PDC: Michael - Neben deiner Rolle bei Here Is Why bist du außerdem noch als Good Guy Mikesh und Leipzig's Timberlake bekannt. Wie hältst du die Balance zwischen diesen unterschiedlichen Projekten?
Michael: Das mit Leipzig's Timberlake ist schon ein paar Jahre her, aber sonst passiert das alles eher phasenweise. Mal ist man mehr mit Here Is Why unterwegs oder im Proberaum und dann arbeiten wir wieder an einem Remix oder einer Produktion für Good Guy Mikesh & Filburt. Diese Projekte beeinflussen sich gegenseitig sehr stark und gewinnen voneinander. Dadurch, dass man in der House- und Disco Szene unterwegs ist, ergeben sich tolle Kontakte. Man lernt eben interessante Leute wie Kasper Bjørke, die Jungs von Permanent Vacation oder Daniel Bortz kennen. Oder auch die Leute von Keinemusik aus Berlin.
PDC: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem dänischen Star-Produzenten Kasper Bjørke?
Michael: Irgendwann saß Kasper in unserer Küche, da Markus hier in Leipzig auch Veranstaltungen macht und auch Kasper Bjørke eingeladen hatte. Wir haben einen netten Abend zusammen verbracht, und so kamen wir auf die Idee, dass er einen Remix für uns machen könnte.
PDC: Erzählt uns mehr über euer Label Riotvan!
Markus: Angefangen hat alles als Partykollektiv und Booking Agentur. Wir hatten schon länger überlegt, das Ganze auch als Label zu starten. Und da hat es sich einfach angeboten die erste Here Is Why Platte auch als Debut für das Label zu veröffentlichen. Und wir arbeiten weiterhin fleissig daran.
PDC: Inwiefern nutzt ihr dabei das Internet für eure Zwecke?
Markus: Als Band benutzen wir hauptsächlich unseren Blog und Facebook. Für uns ist es wichtig diese Tools zu benutzen. Auf der anderen Seite tun wir das mit einer gewissen Zurückhaltung, denn wir wollen keinen Overload an Postings. Wir teilen uns nur mit, wenn wir Neuigkeiten haben, welche die Leute interessieren könnten. Durch das Internet bekommen wir einfach viel mit. Es ist trotzdem wichtig, dass es Filter gibt wie Arte Live Web oder Musikblogs wie PonyDanceClyde, damit man eine qualitative Auswahl der Inhalte bekommt.
PDC: Ihr kommt aus Leipzig, das von manchen Leuten als das neue Berlin gefeiert wird. Inwiefern beeinflusst die Stadt eure Musik?
Michael: Leipzig ist entspannter als Berlin. Andere würden sagen langweiliger, aber ich würde das nicht so sehen. Es sind einfach zwei unterschiedliche Städte mit unterschiedlichen Bedingungen. Leipzig ist eine Stadt, in der man nahe bei den Menschen ist. Man befindet sich direkt in der Szene und hat mit allen Leuten mal etwas zu tun. Berlin ist anonymer und größer, und das macht für mich den Unterschied aus. Ich besuche Berlin gerne, aber ich fühle mich hier in Leipzig zu Hause. Es ist in Leipzig viel wahrscheinlicher, dass sich Leute konkret begegnen und gemeinsame Sachen starten. Berlin ist natürlich eine tolle Stadt mit ihren Möglichkeiten.
PDC: Entsteht in Leipzig gerade ein neues Musik-Mekka?
Michael: Tatsächlich passieren gerade in unserer Szene sehr interessante Dinge. Das beschränkt sich aber nicht nur auf die Musik. Auch in der Kunstszene ist hier Bewegung und Leipzig wird spürbar internationaler.
PDC: Wie sind die Produktionsbedingungen für junge Musiker?
Michael: Wohnen und Leben ist in Leipzig noch erschwinglich. Als Band stößt man eher auf praktische Probleme, wenn es um bezahlbare Proberäume oder Studios geht. Die Förderung der Subkultur und unkonventioneller Projekte durch die Leipziger Stadt ist allerdings noch ausbaufähig. Dort hält man eher an konventionellen Unternehmungen fest und erkennt noch nicht das tatsächliche Potential der kreativen und subkulturellen Bewegung.
PDC: Habt ihr befreundete Bands aus Leipzig, die ihr uns weiterempfehlen könnt?
Markus: Auf jeden Fall Deko Deko. Von denen wird man bald mehr hören. Die Shandy Mandies sind gute Freunde und auch so gibt es recht viel, vor allem im elektronischen Bereich. Phillip Matalla oder Lake People, Panthera Krause, Webermichelson. Es passiert gerade recht viel in Leipzig.
PDC: Was hört ihr jeweils im Moment so, wer ist euer Lieblingskünslter gerade?
Michael: Wir waren alle sehr angetan von Twin Shadow. Das erste Album ist eine echte Bombe gewesen. Gerade habe ich für mich auch Light Asylum entdeckt.
Markus: Ich fand außerdem das neue Grimes-Album ganz interessant. Und Woolfy vs. Projections, das kam auf Permanent Vacation raus.
PDC: Was sind eure Pläne, was steht als nächstes an?
Michael: Mit Here Is Why arbeiten wir gerade am nächsten Album. Es gibt schon jede Menge neue Songs.
Markus: Da ist einiges im Anmarsch und auch viel Arbeit gerade. Das Label läuft auch weiter, wir arbeiten an einem neuen Live-Set, an einem neuen Video, vieles läuft im Hintergrund und ist in der Vorbereitung. Mit Here Is Why wird es im Frühjahr auch wieder mehr Konzerte geben.
PDC: Eine letzte Frage noch, die wir uns nicht verkneifen können: Wie steht ihr zum Leipziger Dialekt?
Michael: Der Leipziger Dialekt umgibt uns täglich und wir beherrschen ihn hervorragend, wenn wir wollen.
Markus: ..aber nur wenn Wir wollen! ;)
PDC: Vielen Dank für das Gespräch.
Foto: Julia Schulz / PonyDanceClyde.com Redaktion: Paul Gengenbach
Als ob 'n hübsches Mäuschen mit 'm dünnen Stimmchen und Bigband reichen würden, Waits zu interpretieren. Das einzige was hier hervorzuheben ist, ist der Mut, mit so wenig Voraussetzung so ein Projekt anzufassen. Ganz schlimm!!!
Was für ein Konzert,Super.
Die Arrangements sind hervorragend.
achje, Mediennutzung für alle frei? So soll es sein? Das würd mir auch gefallen! Wir haben einen öffentlich rechtlichen und Protest kann ihn nutzen - dafür zahlt er. Wie alle, die ihn nutzen können. Und das ist okay, alles andere wäre unsolidarisch oder sogar unsozial!
Mit zwangsgebühren bezahlt, obwohl ich nicht mal ein radio besitze
Excellent interview ! Very educational and explicitly... Thanks so much !
Kommentar hinzufügen