
Es ist das Dream-Team der klassischen Musik. Seit 2003 spielen jeden Sommer die weltbesten Instrumentalisten beim Lucerne Festival Orchestra mit. An seiner Spitze steht ein Dirigent, der zu Lebzeiten schon eine Legende ist: Claudio Abbado. Jedes Konzert hat etwas von einem Wunder, denn die Verschmelzung der Musiker mit ihrem musikalischen Leiter scheint vollkommen irreal. Das Konzert, das am 19. August dieses Jahres aufgezeichnet wurde, liefert erneut den Beweis dafür. Aufgeführt wird mit auserlesener Eleganz die Sinfonie Nr. 35 oder „Haffner-Sinfonie“ von Mozart und mit erschütterndem Tiefgang die 5. Sinfonie von Bruckner. Im Folgenden wird das Unmögliche versucht: dieses Wunder zu erklären.
Die vielseitige Zusammensetzung des Orchesters
Die Musiker des Lucerne Festival Orchestras haben sehr unterschiedliche Profile: Orchestersolisten (insbesondere von den Berliner Philharmonikern, deren Chefdirigent Claudio Abbado von 1989 bis 2002 war), internationale Instrumentalisten (wie die Cellistin Natalia Gutman), Kammermusiker (die Mitglieder des Hagen-Quartetts), aber auch Professoren von Konservatorien und junge Musiker, die größtenteils Mitglieder des Mahler Chamber Orchestra sind. Ein sehr uneinheitliches Panel, das jeden Soziologen erfreuen würde. Auf jeden Fall bietet es die einmalige Gelegenheit, Musiker verschiedener Schulen zusammen spielen zu hören. Am selben Pult könnten beispielsweise ein Instrumentalist sitzen, der der großen russischen Tradition verhaftet ist, und ein junger Musiker, der durch die Barockbewegung beeinflusst wird. Es entsteht jedoch kein bunt zusammengewürfeltes Patchwork, sondern ein Ensemble, das außergewöhnlich gut zusammen spielt. Daran erkennt man Claudio Abbados Talent, der diese rund hundert Musiker in seine Sichtweise der Partitur einführt. Im Orchester spielen auch einige französische Musiker. So spielen der Flötist Emmanuel Pahud, der Violonist Renaud Capuçon und der Fagottist Laurent Lefèvre seit einigen Jahren im Lucerne Festival Orchestra mit.
Eine untypische Funktionsweise
Sinfonieorchester stellen üblicherweise die Musiker fest ein. Hier besteht ein großer Unterschied zum Lucerne Festival Orchestra, das seine Mitglieder nur zeitweise versammelt. Die Musiker enthalten also eine Gage pro Engagement. Solche materiellen Überlegungen scheinen jedoch bei dieser rein künstlerischen Erscheinung kaum angebracht. Man bemerkt tatsächlich sofort die Begeisterung, die Energie der Musiker des Lucerne Festival Orchestra. Im Internetforum zum Konzert vom 19. August dieses Jahres lobte „Pamina“ „die engagierten Musiker, die sich sehr für das Orchester einsetzen“. Nimmt man jedoch an Konzerten mancher Ensembles mit Stammbesetzung teil, erhält man einen vollkommen anderen Eindruck: Die Instrumentalisten scheinen sich sehr zu langweilen, wie sie da entspannt auf ihren Stühlen sitzen. Die Gefahr, der ein ständiges Orchester ausgesetzt ist, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Routine. Es geht jedoch nicht darum, ein besonders freies Modell zu verteidigen. Die Musiker des Lucerne Festival Orchestra sind auch oft dieselben und werden jeden Sommer erneut eingeladen. Man könnte die Funktionsweise des Lucerne Festival Orchestra mit jener der sogenannten „Barockorchester“ vergleichen, die mit historischen Instrumenten spielen, wie das Orchestre des Champs-Elysées oder die Musiciens du Louvre.
Ein legendäres Festival
Man muss daran erinnern, dass dieses Orchester dank des Einsatzes von Michael Haefliger gegründet werden konnte. Seit 1999 ist der Berliner Sohn des berühmten Tenors Ernst Haefliger der Festspielintendant des Luzerner Festivals. Die Orchestergründung passte sich in die Tradition der Schweizer Veranstaltung ein. Hier ein Rückblick: Das Festival entstand im Jahr 1938 und wurde mit einem Konzert unter der Leitung von Arturo Toscanini in einem Park der schönen Luzerner Villa Tribschen eingeweiht, in der ein gewisser Richard Wagner residierte. Der italienische Dirigent hatte dafür schon ein herausragendes Orchester um sich versammelt. Es spielten insbesondere die Mitglieder des Busch-Quartetts und Instrumentalisten des Orchestre de la Suisse Romande. Das Lucerne Festival wurde als musikalischer Zufluchtsort angesehen, zu einer Zeit, als aufgrund der Nazidiktatur viele Künstler nicht mehr in Salzburg oder Bayreuth auftreten konnten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Schweizer Veranstaltung zu einem unumgänglichen Termin für Sinfonieorchester. Die größten Ensembles, von den Wiener Philharmonikern bis zum Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchestra, legen jeden Sommer in diesem idyllischen Rahmen am Ufer des Vierwaldstättersees und zu Füßen der Schweizer Alpen einen Halt ein. Ein traumhaftes Postkartenmotiv.
Eine maßangefertigte Akustik
Das Lucerne Festival Orchestra steht auch im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Konzerthalle in Luzern. Das im Jahr 1998 eingeweihte Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) am Ufer des Vierwaldstättersees ist ein Meisterwerk der modernen Architektur nach einem Entwurf von Jean Nouvel. Der Architekt schuf ein zugleich mächtiges und sinnliches Gebäude, das sofort an seinem riesigen Aluminiumdach erkannt wird. „Es ist, als schwebe ein Flügel über dem Gebäude und über dem See. Das sich bewegende Wasser reflektiert sich mit seinen Sonnenreflexen an der Unterseite des Daches aus Aluminium“, beschreibt es Jean Nouvel in einem Interview mit der „Neuen Luzerner Zeitung“ vom 17. September 1998. Der andere „Nouvel’sche“ Effekt sind die drei Kanäle, die die Säle durchqueren, wodurch das Gebäude auf schöne Weise mit dem See verbunden wird. Am Tag der Eröffnung fielen jedoch leider drei Zuschauer ins Wasser. Doch vor allem die Akustik des Konzertsaals löst sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum Begeisterung aus. Sie wurde nach dem Prinzip der Shoebox in Form einer Schuhschachtel erbaut und verfügt über beeindruckende 22 Meter Breite, 22 Meter Höhe und 44 Meter Länge. Der Akustiker Russell Johnson hat hier ein wahres Meisterwerk geschaffen. Insbesondere die Echokammer ist erwähnenswert. Sie liegt auf Höhe der Balkone hinter den seitlichen Plätzen und ist durch 50 Türen mit dem Konzertsaal verbunden. Das Innere dieser für das Publikum unzugänglichen Echokammer ist mit rotem Samt ausgekleidet. Sind die Türen geöffnet, kann die Nachhallzeit von 1,8 Sekunden auf bis zu 3 Sekunden verlängert werden. Bei einer Mahler-Sinfonie sind fast alle Türen geöffnet, bei einem Werk von Mozart hingegen sind sie fast alle geschlossen. Das KKL stellt somit ein prächtiges Schmuckkästchen für das Lucerne Festival Orchestra dar, welches dort probt und seine Konzerte abhält. Mit einer solch genauen Akustik, die zugleich durchlässig und großzügig ist, lassen sich ein gemeinsamer Ton und eine Gruppendynamik erzeugen.
Und ein Zauberstab
Natürlich hat das Lucerne Festival Orchestra sein herausragendes Niveau jedoch vor allem seinem Dirigenten und Begründer Claudio Abbado zu verdanken. Dem italienischen Musiker, der 1993 in Mailand geboren wurde, war es schon immer eine Herzensangelegenheit, neue Orchester zu schaffen. Durch seinen Impuls wurden nicht weniger als fünf Ensembles gebildet: das Jugendorchester der Europäischen Union, das Chamber Orchestra of Europe, das Gustav Mahler Jugendorchester, das Mahler Chamber Orchestra und das Orchestra Mozart. Jedes von ihnen schuf aufregende Möglichkeiten und stellte ein Sprungbrett für junge Musiker dar. Mit dem Lucerne Festival Orchestra ist dem Maestro jedoch ein anderes Vorhaben geglückt: Über die unterschiedlichen Nationalitäten hinaus hat er darin Musiker aller Generationen versammelt. Claudio Abbado ist einer der wenigen Musiker, die ein soziales und sogar politisches Engagement antreibt. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Pianisten Maurizio Pollini, war er in der Kommunistischen Partei Italiens aktiv. Er zögerte nie, Konzerte in Gefängnissen, Fabriken oder Krankenhäusern zu veranstalten. Vor Kurzem erst tauschte er seine Gage in Bäume um, die in Mailand gepflanzt wurden. Aus rein künstlerischer Sicht unterscheidet sich der Maestro von anderen Dirigenten durch seine Offenheit allen Musikgattungen gegenüber. Er dirigiert sowohl Opern (von 1986 bis 1986 war er der Musikdirektor der Mailänder Scala) als auch Sinfonieorchester (er war Chefdirigent in London und Berlin und zwischenzeitlich arbeitete er als Erster Gastdirigent in Chicago), sowohl Musik von Mozart als auch zeitgenössische Musik, insbesondere die Werke seiner Freunde Luigi Nono und Luciano Berio. Wenn man ihm jedoch einen einzigen Komponisten zuordnen müsste, wäre dies zweifelsohne Mahler. Mit dem Lucerne Festival Orchestra nahm er sämtliche Sinfonien des österreichischen Komponisten in Angriff. Kritiker aus allen Ländern bezeichneten seine Interpretationen als außergewöhnlich menschlich, bewegend und sensibel. In den letzten Jahren haben die Musiker ihren Dirigenten außerdem bei einem schweren Schicksalsschlag begleitet. Im Jahr 2000 wurde bei ihm Magenkrebs diagnostiziert. Das Publikum in Luzern wird das abgemagerte Gesicht mit dem immer noch durchdringenden und entschlossenen Blick des italienischen Dirigenten noch lange in Erinnerung behalten. Dass er ein Idol geworden ist, zeigt jedes Mal erneut der Applaus, der eines Rockkonzertes würdig wäre. Nun hat Claudio Abbado vor der Presse erklärt, er sei wieder gesund. An Projekten mangelt es ihm nicht: Konzerte, Aufnahmen, soziale Aktionen… Und natürlich wird das Abenteuer mit dem Lucerne Festival Orchestra weitergeführt.
Die nächste Etappe ist eine internationale Tournee mit dem gleichen Programm wie am 19. August dieses Jahres und einem Zwischenstopp am 8. Oktober im Salle Pleyel in Paris. Es wird mit Sicherheit einer der Höhepunkte der Pariser Sinfonie-Saison.
I'm not religious, but this music is one of the most profound experiences that I have ever had. Bach transcends creed, ideology etc.
I'm not religious, but this performance means so much to me. I feel the deepest emotions on hearing this music.
sorry, aber das geht GAR NICHT, was die da auf der Bühne fûr ne show abziehen ... und was die musik betrifft ist der putput auch echt mal kläglich ...
auf den spuren unserer singenden Mutter
Find die Kritik am Turbofolk ja ziemlich billig.
Es ist ja nicht so das Goran Bregovic und Kusturica nicht Kitsch verkaufen und das vor allem die Texte von Goran extrem kompliziert sind.
Der Turbofolk ist auch kein Produkt der 90er sondern wurde von Bregovic fast erfunden, er war der erste der Volksmusik mit Elementen westlicher Welt vermischte.
Ceca war auch vor ihrer Heirat mit Arkan populär und ein Jungstar gemeinsam mit Dragana Mirkovic.
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