Schostakowitsch hatte immer ein sehr komplexes Verhältnis zum stalinistischen Regime. Die sowjetischen Machthaber warfen ihm mal „kleinbürgerlichen Formalismus“ vor, mal ehrten sie ihn für einige seiner Werke. Einige Kompositionen musste Schostakowitsch in der Tat geheim halten, um keinen Ärger zu bekommen - insbesondere Werke, in denen er auf das antisemitische Klima dadurch reagierte, dass er seine jüdischen Wurzeln stärker zum Ausdruck brachte.
„Das Lied von den Wäldern“ stammt aus dem Jahr 1949, in dem Schostakowitsch einen Kulturkongress in den Vereinigten Staaten besuchte. Offenbar vom Freiheitsgeist beseelt, den er dort verspürte, komponierte er dieses sehr poetische Oratorium, das wie der Versuch, die Schönheit der Welt auszudrücken, anmutet.
Sergej Sergejewitsch Prokofjews Ballett „Romeo und Julia“ war eine schwere Geburt … Nicht etwa, weil es dem Komponisten an Inspiration gemangelt hätte – das Werk weist einen beeindruckenden melodischen Reichtum auf -, sondern weil das Thema selbst, als Adaption eines Shakespeare-Stücks, nicht unbedingt nach dem Geschmack des Regimes von 1935 war. Das Leningrader Kirow-Ballett, für das das Stück ursprünglich geschrieben wurde, lehnte es ab. Wegen vertraglicher Bindungen zum Bolschoi-Theater konnte das Ballett nicht einstudiert werden; als Vorwand gaben die Tänzer eine zu große rhythmische Komplexität und dem Ohr unerträgliche Passagen an. Schließlich wurde es 1938 im tschechischen Brünn uraufgeführt und gut aufgenommen. 1940 wurde es dann im Kirow-Theater aufgeführt, und schließlich 1946 im Bolschoi.
