Das Violinkonzert D-Dur (op. 61) von Beethoven wurde erst unmittelbar vor seiner Uraufführung im Jahr 1806 fertiggestellt, so dass der Solist Franz Clement vom Blatt spielen und musste. Außerdem teilte er das Werk in zwei Teile, zwischen denen er andere Stücke vortrug. Die Reaktion des Publikums war zwiespältig: Der Komposition wurde vorgeworfen, sie sei zu einfach und das Thema werde zu oft wiederholt. Erst als Joseph Joachim das Konzert 1844 unter der Leitung von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufführte, wurde der wahre Wert des Werks, das zu den gefühlvollsten Partituren Beethovens zählt, erkannt.
Seitdem haben alle großen Geigenvirtuosen sich an dem Konzert versucht: Es gibt fast 260 Einspielungen, darunter 10 von Yehudi Menuhin. Die bekannteste Interpretation ist jedoch die von Josef Wolfsthal. Sergei Chatschatrjans kann in dem Stück gewiss die ganze Feinheit seines Spiels zur Geltung bringen.
„Eine Alpensinfonie“ (op. 64) von Richard Strauss ist kein so einfaches Werk, wie es auf den ersten Blick scheint. Es handelt sich um ein langes sinfonisches Gedicht, das eine Wanderung im Gebirge chronologisch beschreibt und sich dabei musikalischer Elemente bedient, die als typisch alpenländisch gelten (wie das Horn). Doch man darf nicht vergessen, dass Strauss der Alpensinfonie ursprünglich den Untertitel „Der Antechrist“ geben wollte, mit Bezug auf die gleichnamige Schrift von Friedrich Nietzsche. Dies legt eine metaphysischere Interpretation des Werks nahe und rückt es in die Nähe der Tondichtung „Also sprach Zarathustra“, die ebenfalls von Nietzsche inspiriert ist. Ursprünglich war das Werk ferner als Hommage an den Schweizer Dichter Karl Stauffer-Bern gedacht, der im Alter von 34 Jahren Selbstmord beging, und sollte den Titel „Künstlertragödie“ erhalten. Der beschauliche, leichte Charakter der Sinfonie ist also nur eine Fassade, hinter der sich Tieferes verbirgt, das durch eine üppige Bläserbesetzung (12 Hörner, 2 Trompeten, 2 Posaunen) zum Ausdruck gebracht wird. Am Dirigentenpult steht mit Andris Nelsons ein Spezialist für das Repertoire Richard Strauss‘, der die Intensität der Sinfonie voll auszuschöpfen vermag.
Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Concerto pour violon et orchestre en ré majeur, Op. 61
1. Allegro, ma non troppo
2. Larghetto
3. Rondo - Allegro
Richard Strauss (1864 - 1949)
Symphonie alpestre, Op. 64
1. Nacht [Nuit] – Lento
2 . Sonnenaufgang [Lever de soleil] - Festes Zeitmaß, mässig langsam [Tempo stable, assez modéré]
3 . Der Anstieg [L’ascension] – Sehr lebhaft und energisch [Très animé, énergique]
4 . Eintritt in der Wald [Entrée dans la forêt]
5 . Wanderung neben dem Bache [Promenade près du ruisseau]
6 . Am Wasserfall [À la cascade] – Sehr lebhaft [très animé]
7 . Erscheinung [Apparition]
8 . Auf blumige Wiesen [Dans les prairies en fleurs] – Sehr lebhaft [Très animé]
9 . Auf der Alm [Sur l’alpage] – Mässig schnell [Modérément rapide]
10 . Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen [Errance à travers taillis et broussailles]
11 . Auf dem Gletscher [Sur le glacier] – Festes, sehr lebhaftes Zeitmass [Stable, très animé]
12 . Gefahrvolle Augenblicke [Moments de péril] – A tempo, lebhafter als vorher [A tempo, plus animé que précédemment]
13 . Auf dem Gipfel [Au sommet]
14 . Vision [Vision] - Festes und gehalten [Ferme et retenu]
15 . Nebel steigen auf [Le brouillard monte] – Etwas weniger breit [Un peu moins large]
16 . Die Sonne verdüstert sich allmählich [Le soleil se voile peu à peu]
17 . Elegie [Élégie] – Moderato espressivo
18 . Stille vor der Sturm [Calme avant la tempête] - Tranquillo
19 . Gewiter und Sturm, Abstieg [Orage et tempête, descente] – Schnell und heftig [Animé et violent]
20 . Sonnenuntergang [Coucher de soleil] – Etwas breiter [Plus largement]
21 . Ausklang [Épilogue] – Etwas breit und getragen [Assez large et retenu]
22 . Nacht [Nuit]
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